Chinesische Investitionen in Deutschland

In welche Länder investiert China in Europa?

China gilt nach den USA als zweitgrößter Investor in Deutschland. Deutschland gehört zusammen mit Frankreich, England und Italien zu den europäischen Ländern, in die am meisten Invesitionen aus China fließen. Im Jahr 2018 zählten auch Luxemburg und Schweden (Volvo) mit zu den Top5. Zuletzt gingen die Invesitionen im Bereich der Immobilien oder Infrastruktur zurück, hielten sich in der Automobilbranche und nahmen bei Konsumgütern und Servicedienstleistungen zu.

Warum investieren Chinesen in Deutschland?

China versucht seit Beginn der „Going-Out-Strategy“ nationale Unternehmen auf ihrem Weg der Expansion über chinesische Grenzen hinweg zu unterstützen. Zudem gibt es verschiedene politische Initiativen wie „Made in China 2025“ (MIC 2025), die industriepolitische Zukäufe in den von China definierten Zukunftsfeldern ins Auge gefasst haben. Deutschland verfügt über vielfältiges technologisches Know-how in diesen Zukunftsfeldern und bietet aufgrund seiner hohen Anzahl an „Hidden Champions“ passgenaues Know-how für MIC 2025. Fokus der Unternehmenskäufe sind daher auch NRW, Baden-Württemberg und Bayern, die Bundesländer mit hoher Dichte an Hidden Champions. Nicht zuletzt hat China auch ein Interesse daran, das Image über die Marke „Made in Germany“ aufzupolieren.  

Nehmen die Investitionen zu?

Die chinesischen Investitionen haben bis 2016 zugenommen, nehmen seitdem aber wieder ab. 2018 wurden chinesische Invesitionen in Europa in Höhe von 17,3 Milliarden €  getätigt. Das ist über die Hälfte weniger als noch 2016 investiert wurden. Allerdings werden bei diesen Zahlen nur die Invesitionen gezählt die eine Übernahme von mehr als 10% der Unternehmensanteile bedeuten. Die Übernahme von Geely mit 9,7% Anteilen an Daimler und einer Invesitionssumme von 7,3 Milliarden € werden demnach nicht zu den 17,3 Milliarden € gezählt, obwohl dies die insgesamt höchste Investition bedeutet.  Andere Quellen, die Invesitionen <10% dazurechnen kommen 2018 auf Invesitionssumme in Höhe von knapp 28 Mrd. €, was dennoch einem Rückgang entspricht.

Warum wird seit 2017 weniger investiert?

Die chinesische Regierung versucht übermäßige Kapitalabflüsse zu verhindern und parallel die Investitionstätigkeit auf Kernbranchen zu beschränken. Gleichzeitig wächst die chinesische Wirtschaft weniger stark und auch die hohe Verschuldung vieler Unternehmen spielt eine Rolle. Hinzu kommt, dass chinesische Investitionen einen immer schlechteren Ruf in der Öffentlichkeit haben und oftmals als staatlich geförderte Auslandsinvestitionen gelten. Um unter anderem diese staatliche geförderte Übernahmen zu vermeiden, gibt es neue Investitionsschutzrichtlinien (siehe nächster Abschnitt). Dies erschwert den Zugang zum europäischen Markt. Langfristig wird jedoch damit gerechnet, dass mit einer verbesserten Lage der Konjunktur und einer Einigung im US-Chinesischen Handelsstreit auch wieder ein Anstieg der chinesischen Invesitionen in Europa folgt.

Wie reagiert die EU auf chinesische Investitionen in Europa?

Im Februar 2019 wurde das erste EU-weite System geschaffen, das die Überprüfung der ausländischen Direktinvestitionen durch die Mitgliedstaaten unterstützt. Damit soll sichergestellt werden, dass außereuropäische Unternehmen keine Investitionen in Europa tätigen können, welche die strategischen Interessen der EU gefährden könnten. Eine EU-Regelung wurde als notwendig erachtet, da ausländische Investitionen in Europa grenzüberschreitende Auswirkungen haben und sich auch die Struktur der Invesitionen verändert hat. So wird maßgeblich in High-Tech Sektoren investiert und die Invesitionen aus Schwellenländern haben sich aus Brasilien verzehnfacht und aus China versechsfacht. Somit ist es nicht mehr hinreichend, wenn Länder die Invesitionen unabhängig voneinander regeln.

Wie reagiert Deutschland?

Deutschland hat im Rahmen der 9. Verordnung zur Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes bereits eine Meldepflicht für alle Beteiligungen im Bereich der kritischen Infrastruktur für Unternehmen, die von außerhalb der EU kommen, eingeführt. Dies galt zunächst für Beteilungen mit mehr als 25% der Stimmrechte am inländischen Unternehmen, wurde jedoch 2018 durch einen neue Verordnung auf 10% herabgesetzt. Neben kritischer Infrastruktur gilt dies nun auch für Invesitionen in Militärtechnologien und Medien (zur Wahrung der Pressefreiheit).

Besteht Gefahr für Deutschland?

Die größte Angst besteht sicherlich davor, dass Chinesen in Heuschrecken-Manier über deutsche Unternehmen herfallen und in Folge das Know-How dieser Unternehmen nach China abfließt. Chinesischen Unternehmen geht es jedoch nicht rein darum Know-How abzusaugen, sondern auch darum die Qualitätsreputation ihrer Produkte zu steigern, was sich auch auf die Zahlungsbereitschaft uns somit Exporterlöse auswirkt.

Und was gilt für den Arbeitsplatzabbau? Eine Studie des IG-Metall China-Experten Wolfgang Müller fasst hierzu zusammen: „Ein Abbau oder gar eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach China hat bei den meisten untersuchten Unternehmen nicht stattgefunden. In den Einzelfällen, in denen nach dem Einstieg chinesischer Investoren Arbeitsplätze abgebaut wurden bzw. werden (z.B. Schiess, Waldrich Coburg), handelt es sich um besondere Probleme einer Maschinenbau-Spezialbranche. Oder um kleine Automobilzulieferer, die schon vor der Übernahme in ihrer Existenz gefährdet waren.“

Was sonst noch?

Aktuell kann man davon ausgehen, dass die Verschärfung im Bereich des Invesitionsschutzes nicht die einzigen bleiben. Es folgen sehr wahrscheinlich weitere Verschärfungen im Bereich des Wettbewerbsrechtes, im Bereich Datenschutz und Schutz von Cyber-Attacken sowie Industriespionage inklusive notwendiger Sanktionsmechanismen. Zudem zeigt die aktuelle Diskussion um Huawei (dazu hier mehr) auch die Auswirkungen möglicher Eingriffe unionsfremder Technologien. Es wird also auch in Zukunft zu weiteren  Diskussionen, Abstimmungen und der Schaffung von Handlungsspielräumen kommen.

Quellen:

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