Künstliche Intelligenz im chinesischen Alltag

Fortführung: Dritter Teil der Serie zu Künstlicher Intelligenz in China von Vincent Fremery

Künstliche Intelligenz im chinesischen Alltag

Anstatt aber Spekulationen über die Zukunft zu machen und Statistiken zu betrachten, zeigt ein Blick auf die Straßen von Shenzhen, Shanghai oder Peking wie viel künstliche Intelligenz schon heute im chinesischen Alltag steckt.

 

KI in China zwischen Vorteil und Nachteil

Seit 2017 eröffnet Alibaba in Chinas größten Metropolen Filialen der hauseigenen Supermarktkette Hema. Besucher scannen anhand der zugehörigen App ihre Produkte manuell ein und bezahlen am Ende des Einkaufes mit Alibabas Zahlungsplattform Alipay. Alibaba sammelt die Daten des Einkaufs und erstellt automatisch ein persönliches Profil für den Kunden. Mit jedem Einkauf versteht die App ein wenig mehr über die Präferenzen und das Kaufverhalten des Käufers und schlägt diesem dadurch angepasste Rezepte und Produkte vor. Durch künstliche Intelligenz wird jedem Besucher dadurch ein individuelles Einkaufserlebnis ermöglicht.

Ein anderes Beispiel hat kürzlich auch in westlichen Medien für viel Aufsehen gesorgt. In Shenzhen schießen an Ampeln angebrachte Überwachungskameras Gesichtsaufnahmen von Verkehrsregeln missachtenden Fußgängern. Wer bei Rot die Straße überquert, wird fotografiert, das Gesicht in der Datenbank identifiziert und vom WeChat Account direkt und ohne Kompromisse ein Bußgeld eingezogen. Obendrein werden an einigen Lokalitäten, direkt neben der Ampel, die Fotos der Gesichter auf Großbildschirmen zur Schau gestellt. Der drohende Gesichtsverlust ist ein wirksames Instrument zur effektiveren Durchsetzung von Verkehrsregeln.

 

KI als Game Changer im chinesischen Gesundheitssystem

Mit einer weit unter dem OECD-Durchschnitt liegenden Ärztedichte von nur 1,8 Ärzten auf 1000 Einwohnern, leiden Chinas Krankenhäuser unter einer konstanten Überbelastung ihrer Doktoren. Mit Hilfe von KI-gesteuerten medizinischen Instrumenten soll sich dies ändern. In der südchinesischen Provinz Guangdong reformieren von künstlicher Intelligenz gesteuerte Kameras das Gesundheitswesen. Eine unter Kooperation von Baidu und der Sun-Yat-Sen-Universität entstandene Kamera erstellt anhand eines zehnsekündigen Augenscans Diagnosen über eventuelle Dysfunktionen im Augenhintergrund. Was vorher die Anwesenheit eines Experten benötigte, ist nun in nur wenigen Sekunden von einer Krankenschwester durchführbar. 

 

KI bestimmt in Zukunft die internationale Wettbewerbsfähigkeit

Oft wird die künstliche Intelligenz als disruptive Technologie in einem Atemzug mit der digitalen Revolution genannt. Die hohen Ambitionen der USA und China die Technologie zu kontrollieren zeigen, wie wichtig künstliche Intelligenz in Zukunft für internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Sicherheit sein werden. Jedem Akteur im Konkurrenzkampf um wissenschaftliche Durchbrüche sollte neben dem Potenzial einer Digitalisierung von intelligentem Handeln auch die damit einhergehenden Risiken bewusst sein. Der Sino-Amerikanische Handelskrieg, Donald Trump und eine erstarkende Autokratie in China lassen allerdings wenig auf eine verantwortungsvolle Kooperation hoffen.

Wenn das Thema für euch und euer Unternehmen wichtig ist könnt ihr euch gerne per Mail melden.

Falls ihr euch eigenständig tiefergehend mit künstlicher Intelligenz in China beschäftigen möchtet, empfehle ich die im Artikel bereits erwähnte Lektüre AI Superpowers von Kai-Fu Lee.

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